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Der großartige Jordan Peterson-Faden

1 Name: Klaus 2018-04-23 13:51
Was hält Klaus von Jordan Peterson? Es scheint da nur zwei Fronten zu geben:

- Jordan Peterson ist ein Ultrarechter, der Frauen für minderwertig hält, Transsexuelle hasst und „Redefreiheit“ als ein Codewort für Rassismus, Sexismus und allgemeiner Schlechtigkeit nimmt.
- Jordan Peterson ist der Retter des Abendlandes, er hat die Zeichen der Zeit erkannt und wird die westliche Zivilisation vor der Zersetzung durch postmoderne Linke, schwachsinnige Nationalisten und den Islam retten.

Wer ihn nicht kennt, hier ist sein YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/user/JordanPetersonVideos
sowie seine Homepage: https://jordanbpeterson.com/
2 Name: Klaus 2018-04-23 16:40
Ich bin dann wohl die nicht existente dritte Gruppe. Ich denke das JBP stark überbewertet und idealisiert wird, vor allem von den "Rechten". Die nutzen eben seine no-bullshit Argumentation um den Schneeflocken zu zeigen wer der Untermensch ist. Mir ist aber schon oft aufgefallen das Herr Peterson gerne mal sich in Extase redet und dann einfach Unwahrheiten verbreitet oder stark verallgemeintert. Bestes Beispiel dafür ist der Marxismus, den sowieso scheinbar niemand so recht verstehen möchte, ob Befürworter oder Gegener. So hat Peterson wohl einen immensen Hass für Marx und dessen Lüfterbasis entwickelt und kehrt dementsprechend alle unter den Teppich der Möchtegern-Weltretter, die glauben mit einer Ideologie das Paradies zu erschaffen. Natürlich gibt es auch Neu-Linke die so denken, aber der Marxismus an sich ist keine Ideologie sondern eine analytische Weltanschauung. Leute die das verstehen werden dem Marx in vielen Punkten recht geben und sich vllt sogar als Marxist bezeichnen, dies heißt aber nicht das jeder, wie Peterson gerne sagt, ein Sunshine ist, das glaubt jeder könne alles tun, wir müssen nur das Geld abschaffen.
Seine unpolitischen Sachen finde ich da schon wesentlich besser. Soweit ich weiß ist er ja auch eigentlich Psychologieprof.
Am schlimmsten finde ich aber seine Lüfter. Die scheinen wohl zu glauben mit dem Wort Petersons im Ohr die Welt und dessen Bewohner komplett durchschaut zu haben. Zumindest klingt die laute Minderheit so. So machen sie sich genau dort schuldig wo sie auch andere kritisieren. Sie verfallen einem Personenkult und tauschen Intellekt mit Ideologie aus. Typisches Wir gegen Sie, genau wie bei der Afd, die sich ihre Kredibilität durch ihre Unterschichtige Wählerschaft, die einfach alles feiert was gegen die da oben ist, vermiest.
Außerdem reicht nur ein Video und schon ist man wieder in einer Spirale aus Peterson Drama videos gefangen.
3 Name: Klaus 2018-04-23 17:45
>>2
Ich frage mich, warum er so idealisiert wird. Typen, die einfach „gegen die Schneeflocken“ oder einfach gegen Links polemisieren gab es ja nun vorher ohne Ende. Was er aber auch jeden Fall hat, sind ein paar gute Punkte gegen aktuell vorherrschende Ideologien, zu denen auch gewisse linke Ansichten zählen. Seine „Karriere“ begann ja damit, dass er sich öffentlich weigerte, sich Pronomen für Transgenderleute vorschreiben zu lassen. Er hat diesen antiautoritären Gestus, der wohl viele anzieht. Und man muss ihm zumindest lassen, dass er in seiner Kritik klüger und tiefgreifender ist, als der herkömmliche Rechtstrottel wie Molyneux oder Crowder.

Ich glaube nicht, dass Peterson Marx tatsächlich verstanden hat. Ihm geht es eher um die, die (in Nordamerika) in seinem Namen handeln. Deswegen kommt er auch nicht dahinter, warum „die Sowjetunion war kein richtiger Kommunismus“ so oft gesagt wird. Marxismus würde ich schon für eine Ideologie halten, das tat Marx selbst ja auch schon, als er sagte:

Ich weiß nur dies, dass ich kein Marxist bin.

Seine Lüfter sind schlimm, aber Lüfter sind generell schlimm, wenn sie eine große Masse bilden.
4 Name: Klaus 2018-04-23 20:30
Glaube du hast deine Frage selbst beantwortet. Er ist deshalb so beliebt weil er ein waschechter Intellektueller ist und kein pöbelnder Dummkopf. Das klassische kein kommunismus Argument, das sich Leute so vehement weigern das zu raffen verblüfft mich jedes mal. Ich glaube der Fakt, dass es so oft gebracht wird reicht, um als Bringer des Arguments sämtlichen Respekt von seinem Diskussionspartner zu verlieren (vorrausgesetzt sowas exitiert in der heutigen Diskussionskultur überhaupt noch).
5 Name: Klaus 2018-04-23 23:06
>>4

Etwa Wahres ist ja dran: jeder der sagt "das war kein echter Kommunismus" müsste wissen was echter Kommunismus ist. Und jeder der das zu wissen vorgibt hat einen Plan für die Utopie. Wenn man also dadurch Respekt verliert dann nur zurecht
6 Name: Klaus 2018-04-24 17:48
>>5
Ich seh das anders. Du hast gleich einen Sprung gemacht, von der Feststellung, das es kein Kommunismus sei, hinzu ich weiß wie man es besser macht. Die zwei Gedanken hängen aber nicht automatisch zusammen. Nur weil jemand feststellen kann was Kommunismus war und was nicht (erstes trifft nicht zu da Kommunismus [noch] nie, zumindest seit der Schöpfung des Begriffes, existiert hat), bedeutet dies noch lange nicht, dass er weiß wie man eine kommunistische Gesellschaft aufbauen kann, ja er muß selbst nichtmal Kommunist sein. Genau das ist das Problem in unserer Debattenkultur; jemand trifft eine Aussage und der Gegenüber steckt diese Aussage, zusammen mit dem der sie getätigt hat, in eine ideologische Schublade und schafft es nicht die Aussage losgelöst vom Kontext der verwendeten Begrifflichkeiten oder verbundenen Personen zu sehen. Person A sagt also:"Des war kei Gommunismus" und Person B hört:"Heil Stalin". Dem macht sich auch der Herr Peterson schuldig.
7 Name: Klaus 2018-04-25 10:44
>>6
Wie kann man sagen, dass etwas „nicht“ ist, wenn man nicht weiß, wie etwas zu sein hat? Wenn ich sage „das ist kein Stein“, weiß ich doch, was ein Stein ist, sonst könnte ich diese Aussage nicht treffen.
8 Name: Klaus 2018-04-25 12:14
>>7
Das kommt immer auf den gegenstand an. EIn Stein ist sehr simpel. Der Kommunismus ist wieder was anderes. Ich kann bei der Sowjetunion bestimmte Merkmale beoachten aus denen ich schliessen kann, dass dies kein Kommunismus sein kann. Zum Beispiel exestierte in der SU Staat und Geld, beides faellt im Kommunismus weg. Aber nur weil ich dies feststelen kann heisst es nicht, dass ich selbst weiss wie ich eine Staaten- und Geldlose Gesellschaft erschaffen kann.
9 Name: Klaus 2018-04-25 12:17
>>8
>>7
Nochmal zur Klarstellung: Mein urspruenglicher Text bezog sich weniger auf das "wissen was echter Kommunismus ist.' sondern auf "hat einen Plan fuer die Utopie'.
10 Name: Klaus 2018-04-27 09:01
>>8
Zum Beispiel exestierte in der SU Staat und Geld
Naja, bis 1921 existierte beides nicht wirklich, bis Lenin dahinter kam, dass sich das Elend nur mit marktwirtschaftlichen Zugeständnissen bekämpfen lässt. Ich weiß aber nicht, ob es wirklich eine Forderung von Marx war, Geld und Staat abzuschaffen. Die Abschaffung des Geldes war eher eine Idee von Proudhon, Marx wollte nur seine Funktionen als allgemeines Tauschmittel abschaffen, obwohl er selbst glaubte, dass es noch Preise geben wird. Marx' Schriften selbst lässt sich nicht entnehmen, was Kommunismus ist.
11 Name: Klaus 2018-04-27 20:40
Es war weniger eine Forderung. Überhaupt ist, meiner Interpretation nach, auch der Kommunismus keine Forderung, sondern eine Prognose. Marx war der Ansicht das irgendwann diese Gesellschaftsform entsteht und das mit ihr der Staat wegfallen würde. Ein solcher Staat war die SU zu 100 Prozent. Allein schon weil es Herrscher und Beherrschte gab. Außerdem gehört sowohl zum Kommunismus als auch zum Sozialismus, dass die Arbeiter in Kontrolle der Arbeitsplätze sind. In Wahrheit könnten sie aber nicht weiter davon entfernt gewesen sein, denn die Regierung (welche sich als "die Arbeiter" gesehen hat) lenkte die Wirtschaft. Staatskapitalismus eben. Die SU war also kein Kommunismus, sie war ja nichtmal Sozialismus.
12 Name: Klaus 2018-04-30 17:31
>>11
Marx war der Ansicht das irgendwann diese Gesellschaftsform entsteht und das mit ihr der Staat wegfallen würde.
…und, dass dieser durch einen Aufstand der arbeitenden Massen erreicht wird, die eine Diktatur des Proletariats bilden.

Was ich neu tat, war 1. nachzuweisen, daß die Existenz der Klassen bloß an bestimmte historische Entwicklungsphasen der Produktion gebunden ist; 2. daß der Klassenkampf notwendig zur Diktatur des Proletariats führt; 3. daß diese Diktatur selbst nur den Übergang zur Aufhebung aller Klassen und zu einer klassenlosen Gesellschaft bildet.
(MEW, Band 28, S. 503–509, Zitat S. 507–508.)
13 Name: Klaus 2018-04-30 18:37
Ja richtig, als Übergangsphase. Aber was willst du mir damit sagen? Es gab auch Revolutionen die heute als positiv gelten, die französische z.B..
14 Name: Klaus 2018-04-30 21:14
>>13
Ja richtig, als Übergangsphase
Ja, nur war damit seine Vorhersage schon falsch und warum sollte man dann der Vorhersage dass „irgendwann der Kommunismus kommt“ folgen? Ich bin ja durchaus offen für die Idee, dass immer mehr Dinge wie Staat, Nation und Kapital aus ausgebeuteter Arbeit wegfallen und denke, dass wir davon gerade etwas beobachten können. Nur irgendwie hat das zwei Probleme:
- der Kapitalismus ist wandlungsfähiger als Marx dachte
- das Proletariat hat gezeigt, dass es nicht unbedingt nur Revolution macht, sondern auch gerne mal mit Nazis kooperiert. Und was ist mit all den Ländern, die diese „Übergangsphase“ nie verlassen haben? Die neigen dann irgendwie immer dazu, das Ausland zu beschuldigen.

Was die französische Revolution angeht: das war halt eine Stufe vor dem was wir heute haben. Also bürgerliche Klasse gegen Ancien Regime. Es ist nicht gesagt, dass die nächste Stufe auch so erreicht wird. Wenn es denn überhaupt Stufen gibt.
15 Name: Klaus 2018-05-01 07:59
der Kapitalismus ist wandlungsfähiger als Marx dachte
das Proletariat hat gezeigt, dass es nicht unbedingt nur Revolution macht, sondern auch gerne mal mit Nazis kooperiert.
Da geb ich dir Recht.
Aber wir wissen halt nicht ob noch mal eine Revolution, in welcher Form auch immer, kommt. Überhaupt muss die Revolution in Russland auch nicht mit Marx' Theorie zusammenhängen, nur weil sie seinen Namen und Abbild misbraucht haben. Und wie vorher bereits gesagt, glaube ich nicht, das das Proletariat jemals in der Position einer Diktatur war. Nach der Novemberrevolution waren es nicht die Arbeiter, die das Land geführt haben. Es wurde nur der Zar gegen einen Zar mit anderen Titel ausgetauscht.
Bei dieser Art Problem zieh ich gerne das Beispiel Nordkorea zu rate. Sie sind offizielle eine demokratische Volksrepublik. In der Realität sind sie natürlich weder demokratisch, noch eine Republik. Etwas einen Namen geben oder auf Ideen einer Person stützen, schließt nicht automatisch ein, dass es auch nur im entferntesten mit der Person oder Idee zusammenhängt. So weit wir wissen könnten sämtliche Revolutionen, die sich auf Marx gestützt haben im Vorraus geplant haben, knallharte Diktaturen zu errichten und haben "Den Kommunismus" als Mittel benutzt um die Massen für sich zu gewinnen.
Deshalb beurteile ich immer anhand der Realität und nicht an dem "so war das geplant hat halt bloß nicht funktioniert". Wir WISSEN einfach nicht ob es nicht funktioniert.

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